FAQ: MBA & Promotion?

"Ich stehe kurz vor meinem Studienabschluss und habe die Möglichkeit, danach zu promovieren. Alternativ könnte ich bei einem mittelständischen Unternehmen in den Beruf einsteigen. In diesem Fall würde ich evtl. nach einigen Jahren einen MBA machen. Was raten Sie mir? Die Promotion anstreben? Den MBA? Oder erst die Promotion, dann den MBA? Gibt es Anhaltspunkte, welcher Abschluss für die Karriere besser ist?"

Kurzantwort: Es kommt vor allem auf Ihr Erststudium und Ihr späteres Tätigkeitsfeld an. Die Promotion erlaubt meist einen besseren Berufsein- und schnelleren -aufstieg, der MBA schult im Verlauf der Karriere die Managementfähigkeiten sowie Soft Skills und ist bei nicht-deutschen Unternehmen sehr angesehen.

Ausführliche Antwort...

Promotion ist typisch deutsch, MBA ist internationaler

In Deutschland schließen jedes Jahr 25.000 Hochschulabsolventen ihre Promotion ab. Vor allem in der Mathematik und den Naturwissenschaften promoviert fast jeder zweite (43%), in den Ingenieurwissenschaften jeder fünfte (20%). Wer also in diesen Fachbereichen studiert hat, sollte durchaus einen Doktortitel in Erwägung ziehen, um nicht gegenüber den Kommilitonen zu verlieren.

Sörge Drosten, Partner bei der Managementberatung Kienbaum, sagt im Interview mit der Zeitung Welt:

Auf dem Jobmarkt ist der Titel noch immer ein Plus: Viele Arbeitgeber schätzen an Promovierten das tiefe Fachwissen und die Fähigkeit, selbstständig wissenschaftlich zu arbeiten. Für Ingenieure und Naturwissenschaftler ist der Doktortitel oft die Eintrittskarte in leitende Positionen, in Forschung und Entwicklung.

Diese Aussage wird auch durch eine Studie bestätigt: Acht Jahre nach der Promotion nehmen 36% der Promovierten eine leitende Position ein. Von denen, die eine rein wissenschaftliche Karriere eingeschlagen haben, sind es über 45%.

Allerdings: Auf den höheren Karrierestufen zählt nicht mehr nur das fundierte theoretische Know-how, sondern hier sind auch Management-Kompetenz und kaufmännisches Wissen gefragt. Das lernt man in einer Promotion nicht und hier ist der MBA im Vorteil. Auch für diejenigen, die im Ausland oder bei einem internationalen, möglicherweise amerikanisch geprägten, Unternehmen Karriere machen möchten, kann der MBA mehr Karrierevorteile verschaffen.

Promotion oder MBA? Am besten beides

Es gibt zahlreiche Berufstätige, die beide Abschlüsse vorweisen können. Meist handelt es sich typischerweise um Absolventen von natur- oder ingenieurwissenschaftlichen Studiengängen. Der klassische Karriereweg ist der Einstieg nach der Promotion, der Aufstieg in Führungspositionen und dann der berufsbegleitende MBA zur Stärkung der betriebswirtschaftlichen Kenntnisse.

Für Absolventen wirtschaftswissenschaftlicher Studiengänge wird die Promotion einen positiveren Einfluss auf die Karriere haben als der MBA, denn sie haben das BWL Know-how ja schon im Erststudium erlernt.

MBA oder Promotion? Erfahrungsberichte von denen, die beides haben

Wir haben via Xing zufällig ausgewählte Personen befragt, die sowohl den Dr.-Titel, als auch einen MBA haben. Folgende Meinungen haben wir erhalten:

Personalberater Dr. Dorian Hartmuth

Mein Tipp: Den MBA nur an Unis machen, nicht an FHs. Meiner Meinung nach ist die Dissertation weniger wichtig als der MBA. Auf die Dissertation kommt es vor allem an, wenn man in Deutschland ins Top-Management will. Der MBA nützt einem auch schon früher.

Daniel (Dr. & MBA)

Promoviert habe ich, weil ich gerne die fachliche Arbeit vertiefen wollte. Allerdings nicht an der Uni, da ich niemals eine Hochschulkarriere verfolgt habe. Karriere in der Industrie spielte dabei aber durchaus eine Rolle, da in großen Firmen der Titel häufig schneller den Weg in Führungspositionen öffnet.

Den MBA habe ich dann angeschlossen, da ich ein paar Jahre später nicht mehr so überzeugt war, dass die Entwicklung - also eher die fachliche Arbeit - meine Zukunft ist. Ich wollte mich zu einem Allrounder weiterentwickeln, tendenziell auch eher mit dem Blick auf Führungspositionen. Interessanterweise arbeite ich mittlerweile als Allrounder an der Schnittstelle zwischen Entwicklung und Produktion, was mich zum einen sehr fordert und mich zum anderen sehr erfüllt. Ich sehe es auch als nächsten Schritt auf der Leiter, da ich aktuell in einem kompletten Unternehmenszweig ein Netzwerk aufbaue und Knowhow über die Prozesse sammle und diese mit gestalte. Aber weder Promotion noch MBA allein hätten mich in diese Position gebracht.
Rückblickend glaube ich, dass mich die Promotion vorankommen ließe, wenn ich im richtigen Moment zu einem meiner ehemaligen Kunden gewechselt hätte. Das hab ich damals nie getan, weil mich die angebotenen Stellen persönlich nicht gereizt haben, weil sie meist ausschließlich in der Entwicklung verankert waren. Ich glaube aber, dass Menschen mit einer anderen Persönlichkeitsstruktur mit dem MBA genauso erfolgreich oder erfolgreicher sein können. Ein MBA von der richtigen Universität genießt heute sehr viel Aufmerksamkeit, daher sind das ebenfalls optimale Startchancen.
Ich bin eher zufrieden, wenn ich ein oder zwei Projekte bis zu 100% fertigstellen kann, eher ein Thema bei einer Promotion. Im MBA an der ESB habe ich viele verschiedene Themengebiete gelernt, aber meist nur zwischen 30 und 70%. Eher immer an der Oberfläche gekratzt. So empfinde ich auch manche meiner Kollegen, die mit einem aufgesattelten MBA im Marketing oder Controlling erfolgreich unterwegs sind. Und das entspricht mir einfach nicht.

Nicolas (Dr. & MBA)

Ich habe sehr ausgiebig über die Frage nachgedacht, ob die Promotion oder der MBA mir mehr gebracht hat. Eine klare Antwort gibt es für mich da ehrlicherweise nicht. Ohne eine Promotion hätte ich meinen Berufseinstieg nicht so einfach geschafft. Der MBA (vielleicht auch wegen eines zweiten, eher fachfremden Studienganges) hat mir aber beruflich wohl doch mehr Türen geöffnet.

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