MBA für Informatiker / ITler

Rund 5% alle MBA-Studierenden haben ein Erststudium aus dem Bereich der (Wirtschafts-)Informatik bzw. IT abgeschlossen. Ist der MBA für Informatiker/ ITler überhaupt geeignet? Welche Studienoptionen hat man und was sagen Absolventen, die mit Informatik-Background einen MBA studiert haben? Wir haben recherchiert.

Wenn Informatiker in Führungspositionen befördert werden und mehr Verantwortung, z.B. für Budgets und/oder Personal, übernehmen, stoßen sie teilweise an ihre Wissensgrenzen. Kein Wunder, denn im Curriculum eines klassischen Informatik Studiums kommen kaum betriebswirtschaftliche Inhalte vor. Man kann sich die nötigen Fähigkeiten dann sozusagen on-the-job selbst beibringen, was keineswegs immer der schlechtere Weg ist, oder sich aber mit einem akademischen Studium zielgerichtet weiterqualifizieren.

Es gibt verschiedenste MBAs für Informatiker/ ITler. Das Spektrum reicht von spezialisierten IT Management Studiengängen bis hin zum General Management. Die Entscheidung, ob ein MBA die richtige Wahl ist und falls ja, welche Variante man wählen sollte, können wir Ihnen nicht abnehmen. Zu unterschiedlich sind die individuellen Voraussetzungen und Karriereziele. Aber wir können Ihnen mit dem nachfolgenden Überblick das gesamte Spektrum der Studienmöglichkeiten darstellen und lassen Absolventen ihre Erfahrungen teilen.

MBA für Informatiker: Infos, Studiengänge, Erfahrungsberichte

Ist ein MBA für Informatiker und ITler überhaupt sinnvoll?

Diese Frage kann man nur mit einem Klassiker beantworten: „Es kommt drauf an“. Prinzipiell sind BWL Verständnis oder auch BWL Kenntnisse von Unternehmen durchaus nachgefragt - allerdings nicht bei jeder Firma, wie die Studie des Staufenbiel Instituts herausgefunden hat:

Bei der Frage, ob sich eine betriebswirtschaftliche Erweiterung des Informatik Studiums lohnt, kommt es vor allem auf zwei Dinge an: Zum einen auf die entsprechende Firma und ihr Produkt bzw. ihre Dienstleistung und zum anderen darauf, wie man sich persönlich weiterentwickelt. Letzteres ist dabei der wichtigere Punkt, denn die Firma kann man ja wechseln.

Es gibt Informatiker, die ihr Berufsleben lang wenig mit Kunden arbeiten und viel lieber am Schreibtisch neue Software programmieren oder IT-Probleme durch ihr Technikwissen lösen. Und es gibt Informatiker, die eine Managementkarriere in der IT einschlagen (wollen). Für letztere sind dann mit zunehmender Verantwortung BWL-Kenntnisse immer wichtiger. "Kosten kalkulieren, Marketing-Mittel planen, Business-Pläne durchrechnen und managen, all das lernt man nicht im Informatik Studium", sagt Klaus Christians, Personalberater bei Corporate Management Recruiting (CMR) im Interview mit der Zeitschrift Computerwoche. „Da stoßen die IT-Experten schnell an ihre Grenzen." Und genau hier kann ein MBA Studium helfen.

Generell sind Informatiker und ITler zwar eine überschaubare, aber doch immer wieder anzutreffende Studiengruppe bei den MBA Programmen. Das geht auch aus den Daten hervor, die einige Hochschulen zur Zusammensetzung ihrer Studiengänge veröffentlichen:

RWTH Aachen (EMBA)

GISMA (Vollzeit-MBA)

Universität Augsburg (MBA Unternehmensführung)

Spezialisiertes oder generalistisches Studium?

Wer sich nun für ein MBA Studium interessiert, hat zwei grundsätzliche Varianten und damit verbunden zahlreiche Studiengänge zur Auswahl.

1.) Spezialisierter IT MBA

Hier kommen vor allem Studiengänge aus dem Bereich IT Management in Frage. Mit solch einem Studium baut man sein IT-Verständnis bzw. -Know-how aus und ergänzt es mit grundsätzlichem BWL-Wissen. Dazu stehen auch Soft Skill-Fächer z.B. im Bereich Projektmanagement oder Präsentationsfähigkeit, auf dem Lehrplan.

2.) Generalistischer MBA

Viele Informatiker bzw. ITler wählen auch einen sogenannten generalistischen MBA wie z.B. General Management, Unternehmensführung oder Business Administration. Dieses Studium vermittelt dann, unabhängig von einer Branchen- oder Funktionsspezialisierung, klassisches betriebswirtschaftliches Wissen, ergänzt ebenfalls um Managementwissen z.B. im Bereich Projektmanagement oder Mitarbeiterführung.

Erfahrungsberichte von Absolventen - Das sagen Informatiker/ ITler

Was sagen eigentlich diejenigen, die es am besten einschätzen können? Wir haben via Xing zufällig ausgewählte Informatiker und ITler nach ihren Erfahrungen mit dem MBA Studium befragt.

  • Stefan, Dipl. Informatik-Betriebswirt und MBA IT Management der TH Ingolstadt

    Darum habe ich mich für ein MBA Studium entschieden:

    Es gab zwei Gründe:

    1. 1.) Mein Job erfordert von mir täglich oftmals schnelle Entscheidungen aufgrund aktuell vorliegender Informationen und vorhandenem Kenntnisstand. Ausgiebig Zeit für zusätzliche fundierte Recherche und tiefer greifende Abwägungen bleibt meist nicht. Durch den MBA erwartete ich, Lösungsansätze und Methoden kennen und anwenden zu lernen, die mich in diesen Entscheidungsverfahren sicherer machen oder mich eben genau in die andere Richtung lenken, nämlich dann zu bremsen, wo Geschwindigkeitsreduktion angebracht ist.

    2. 2.) Entschleunigung vom beruflichen Alltag. Ausreichend Zeit für wissenschaftliche Ausarbeitungen nehmen und fachliche, zuweilen auch spaßige, Gedankenaustäusche im Alt-Studentenkreis zu erleben.
    Der MBA hat sich für mich gelohnt / nicht gelohnt, weil...

    Der MBA hat sich für mich persönlich gelohnt, weil ich das, was ich mir vorgestellt habe - siehe Gründe - , eben auch bekommen habe. Vielleicht nicht in allen Belangen, so doch im Großen schon. Zudem hat sich bis heute das Netzwerk und der Kontakt zur Hochschule gehalten.

    Zur Karriere ein Satz: Der Titel rentiert sich nur dann, wenn vorab mit dem Arbeitgeber ein Karrieresprung vereinbart wurde. Im Nachhinein fehlt dem Arbeitgeber der Druck. Warum sollte er das honorieren? Sie haben das Ausbildung ja so oder so schon gemacht. Muss nicht generell so gehandhabt werden, ist mir aber oft so von anderen Kommilitonen gespiegelt worden.

    Für wen ist dieses Studium zu empfehlen und wem würden Sie abraten?

    Empfehlen würde ich den MBA für alle, die den wissenschaftlichen Lehransatz auch im Job einfließen lassen wollen, um eben die eigenen Entscheidungen professioneller herbeizuführen.

    Den MBA nur wegen des "Titels" zu machen ist sicherlich möglich, irgendwie kriegt man die Noten schon hin, macht aber keinen Spaß, schmälert die Leistung der anderen Engagierten und schadet dem Image des Hochschulabschlusses.

  • Stefan, Diplom-Ing. für IT, Master Computer Science und MBA der Graduate School Ostwürttemberg

    Darum habe ich mich für ein MBA Studium entschieden:

    Der MBA vermittelte mir auch die Aufmerksamkeit von Entscheidern, um an entsprechende Positionen leichter zu gelangen.

    Nach einigen Jahren im Beruf als Software-Entwickler bekam ich die Gelegenheit, ein Projekt zu leiten. Diese Erfahrung hat mir gefallen und daher habe ich nach einer Qualifikation gesucht, die meine Karriere in diese Richtung lenken kann, ohne mich auf eine bestimme Methodik festlegen zu müssen. Der MBA in General Management an der GSO vermittelte mir nicht nur die nötigen (harten und weichen) Fähigkeiten, um als Projektleiter arbeiten zu können, sondern eben auch die Aufmerksamkeit von Entscheidern, um an entsprechende Positionen leichter zu gelangen.

    Der MBA hat sich für mich gelohnt / nicht gelohnt, weil...

    Als Ingenieur war ich außerdem verblüfft über die Soft Skills, die ich während des Studiums "nebenbei" erworben hatte.

    Der MBA hat sich für mich sowohl persönlich als auch beruflich gelohnt. Ich arbeite inzwischen dauerhaft als Projektmanager, und auch zu einem entsprechend höheren Gehalt. Als Ingenieur war ich außerdem verblüfft über die Soft Skills, die ich während des Studiums "nebenbei" erworben hatte. Daher würde ich auf jeden Fall zu einem Präsenzstudium raten.

    Für wen ist dieses Studium zu empfehlen und wem würden Sie abraten?

    Für mein angestrebtes Berufsziel Projektmanager war der MBA genau richtig.

    Für eine Karriere in der Hierarchie von Konzernen scheint mir in Deutschland der Doktortitel immer noch die erste Wahl zu sein. Für mein angestrebtes Berufsziel Projektmanager war der MBA jedoch genau richtig. Auch für angehende Berater und Vertriebler ist der MBA enorm wertvoll, schon allein um die Sprache der Kunden zu lernen.

  • Sascha, Diplom-Wirtschaftsinformatiker und MBA der FOM Hochschule

    Darum habe ich mich für ein MBA Studium entschieden:

    Ich wollte weitere theoretische Erfahrung jenseits des Jobs sammeln. Ziel war auch die Verbesserung der Gesamtnote, um mich für ein späteres Promotionsstudium zu qualifizieren.

    Der MBA hat sich für mich gelohnt / nicht gelohnt, weil...

    Er hat sich bedingt gelohnt, da ich zuvor als Wirtschaftsinformatiker bereits viel Wissen im Bereich Wirtschaft hatte. Auf jeden Fall habe ich neue Freunde gefunden.

    Für wen ist dieses Studium zu empfehlen und wem würden Sie abraten?

    Abraten würde ich Leuten, die bereits einen starken Wirtschaftsanteil in ihrem Erststudium hatten. Da könnte schnell Langeweile auftreten. Auch sollte man den Zeitfaktor nicht unterschätzen. Man muss für ein MBA Studium schon einiges an Zeit reinstecken.

    Sinnvoll ist ein MBA Studium auf jeden Fall für Ingenieure und Rechtswissenschaftler, die sich wirtschaftswissenschaftlich weiterbilden wollen.

Weitere Erfahrungen von über 150 MBA-Absolventen der unterschiedlichsten Fachrichtungen können Sie in der Rubrik "Erfahrungsberichte" lesen:

Zu den Erfahrungsberichten

Studienmodelle: Meist berufsbegleitend als Wochenend- oder Fernstudium

Die meisten MBA-Programme werden berufsbegleitend angeboten, egal ob speziell für Informatiker / ITler oder Berufstätige aller Fachrichtungen. Der Unterschied zwischen den Studiengängen liegt in der Studienorganisation: Es gibt zahlreiche MBAs, die sich als berufsbegleitendes Präsenzstudium auf Blockunterricht am Wochenende, teils inklusive Freitag, eingerichtet haben. Dazu kommen dann evtl. nochmals Blockveranstaltungen an 5-7 Tagen 1-2x pro Semester.

Natürlich haben Sie auch ein MBA Fernstudium zur Auswahl. Das gibt es sowohl im spezialisierten IT Management Bereich, als auch bei den generalistischen Programmen. Manches Fernstudium kommt dabei sogar ohne Präsenzphasen aus, bei anderen kann bzw. muss man 1-2x pro Semester auch Präsenzseminare besuchen bzw. Präsenzprüfungen ablegen.

Liste der Studiengänge

Sie möchten nun nach konkreten Hochschulen und Studiengängen suchen? Dann sind Sie in unserer Hochschulübersicht richtig. Hier schonmal ein Auszug mit dem Filter "IT Management":

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