MBA Studium Vertriebsingenieurwesen

Wie verkauft man hochtechnologisierte Produkte am besten? Indem man sich damit detailgetreu auskennt. Wer seine Fähigkeiten als Vertriebsingenieur ausbauen und sich für besondere Managementpositionen qualifizieren möchte, kann mit einem MBA Vertriebsingenieurwesen gut beraten sein. Es gibt aber auch passende Alternativen. Wir haben den Überblick.

Ingenieure – das sind doch Techniker. Maschinenbauer, Mechatroniker, Verpackungstechniker. Und der Vertriebsingenieur? Er ist quasi Marketing-Fachmann, BWLer und Ingenieur in Personalunion. Sein Betätigungsfeld liegt darin, technisch hoch entwickelte Produkte den potenziellen Kunden zu erläutern und ihnen letzten Endes zu verkaufen.

Klingt nach einem Klinkenputzer-Job? Ist es nicht, denn die Maschinen und Produkte, die Ingenieure verkaufen, sind oftmals mehrere Millionen Euro teuer. Für alle, die in diesem Beruf schon auf der Karriereleiter aufgestiegen sind und weiter nach oben wollen oder aber sich als Karrierewechsler für diesen Beruf interessieren, kann der MBA Vertriebsingenieurwesen die richtige Qualifikation sein.

Wussten Sie, dass...

... im Studium sowohl technische Inhalte, als auch BWL, Psychologie, Jura, Fremdsprachen und Rhetorik gelehrt werden?

... die Hochschule Furtwangen Mitte der 1980er den ersten Studiengang in Vertriebsingenieurwesen konzipierte?

... man natürlich auch Kühlschränke an Eskimos verkaufen kann? Damit verhindern sie, dass ihre Lebensmittel einfrieren.

MBA Vertriebsingenieur: Infos, Erfahrungsberichte, Studiengänge

Was Sie über das Studium wissen sollten

Mehrere Wege führen zum Ziel, um als Vertriebsingenieur zu arbeiten. Es gibt einige Bachelor- und Master-Studiengänge, aber auch Spezialisierungen in anderen Ingenieurstudiengängen. Einen Vertriebsingenieurwesen MBA gibt es derzeit nur an wenigen Hochschulen. Falls diese nicht in Frage kommen, gibt es aber auch sehr gute Alternativen für Vertriebsingenieure, die sich mit dem MBA weiterqualifizieren möchten.

Diese MBA-Programme kommen in Frage:

Spezialisierter MBA-Studiengang Vertriebsingenieurwesen

Vor allem für diejenigen zu empfehlen, die aus einem anderen Beruf wechseln möchten und noch kein entsprechendes Know-how besitzen. Dazu können z.B. Sales Manager oder Betriebswirte gehören, die ihr Wissen um Ingenieur-Kenntnisse erweitern wollen. Auch Ingenieure, die im Erststudium noch keine Spezialisierung im Bereich Vertrieb gewählt haben, könnten mit diesem MBA richtig liegen.

Vorteil: Durch die Fokussierung des Studiengangs ist man optimal für einen Einsatz in diesem Bereich ausgebildet.

Nachteil: Ein solch spezialisierter MBA kann weniger wert sein, wenn man die Branche bzw. den Beruf wechselt.

Allgemeinere Sales-/Vertriebs-MBA-Programme

Wer ein Ingenieurstudium abgeschlossen hat, dementsprechend technisches Know-how mitbringt und „nur“ seine Vertriebsfähigkeiten akademisch ausbauen möchte, der kann auch mit einem allgemein gehaltenen Sales MBA richtig liegen.

Alle Infos finden Sie in unserem Detailartikel zum „MBA Sales/Vertrieb“.

Generalistischer MBA

Ursprünglich war der Master of Business Administration als breitgefächertes Managementstudium ohne Branchenausrichtung gedacht, damit z.B. Ingenieure oder Naturwissenschaftler ihr rudimentär vorhandenes BWL-Wissen erweitern können. Die Spezialisierungen, wie der MBA Vertriebsingenieurwesen, kamen erst später hinzu.

Ein generalistischer MBA ist daher z.B. für Ingenieure zu empfehlen, die schon im Erststudium Inhalte im Bereich Vertrieb gelernt haben. Oder natürlich auch für diejenigen, die direkt ein komplettes Vertriebsingenieur-Studium abgeschlossen haben. Sie würden von einem spezialisierten MBA weniger profitieren, als von einem generalistischen.

Studienverlauf und -dauer

Es gibt unterschiedliche Studienmodelle für die Programme. So ist z.B. der MBA Vertriebsingenieurwesen der Hochschule Kaiserslautern als (berufsbegleitendes) Fernstudium angelegt. Sie lernen die Inhalte anhand eines Mix aus verschiedenen Lehrmedien wie schriftlichen Unterlagen, E-Learning-Einheiten und Präsenzseminaren. Das Programm dauert vier Semester. Der MBA an der Hochschule Furtwangen hingegen setzt auf ein berufsbegleitendes Präsenzstudium. Das bedeutet, dass sich die Vorlesungszeiten auf ca. zehn Wochenenden (Freitag und Samstag) plus eine Präsenzwoche pro Semester verteilen.

Die Regelstudienzeit generalistischer MBA-Studiengänge liegt auch zwischen drei und fünf Semestern, je nach Studienmodell (Vollzeit, berufsbegleitendes Präsenzstudium oder Fernstudium).

Voraussetzungen

Eine Besonderheit gibt es beim Vertriebsingenieur MBA der Hochschule Kaiserslautern: Man kann sogar ohne Erststudium immatrikuliert werden. Voraussetzung sind dann die Hochschulzugangsberechtigung (Abi/Fachabi/etc) plus drei Jahre Berufserfahrung in einem passenden Bereich plus das Bestehen eines Aufnahmetests.

Für Studieninteressenten mit erstem Hochschulabschluss gelten bei Sales-MBAs normalerweise die üblichen Voraussetzungen: Mindestens ein Jahr Berufstätigkeit und Nachweis der Englischkenntnisse.

Kosten

Die Kosten eines Master of Business Administration im Bereich Sales Engineering / Vertriebsingenieurwesen liegen im vierstelligen Bereich:

Dazu kommen Reisekosten für Auslandsaufenthalte, Übernachtungen am Studienort und Lehrmaterial. Dennoch gehören die MBAs damit noch zu den günstigsten Studienmöglichkeiten. Generalistische MBA-Programme kosten meist zwischen 15.000 - 50.000 Euro.

Immerhin können die hohen Kosten von der Steuer abgesetzt werden.

Erfahrungsberichte

Um einen Blick hinter die Kulissen zu werfen, haben wir via Xing Absolventen der verschiedenen Studiengänge angeschrieben und um Erfahrungsberichte gebeten. Alle Erfahrungsberichte sind zu 100 % unabhängig und authentisch, aber weil nicht jeder Befragte namentlich erkennbar sein wollte, veröffentlichen wir meist nur die Vornamen.

  • Caesar, MBA Vertriebsingenieurwesen an der HS Kaiserslautern

    Der MBA hat sich für mich gelohnt / nicht gelohnt, weil...

    "a) Horizonterweiterung: Der MBA an der FH Kaiserslautern ist ein breitgefächertes, in die Tiefe gehendes Hochschulstudium, d.h. ich habe einen tiefen Einblick/guten Überblick gewonnen darüber, wie Wirtschaft funktioniert. Als Umweltwissenschaftler hatte ich vorher so gut wie keine Ahnung davon. Nur aus Zeitungen, Tagesschau, etc. lernt man das meiner Meinung nach nicht.

    b) der berufliche Aufstieg wird durch meinen MBA-Abschluss deutlich schneller/einfacher erfolgen (bis jetzt leider noch nicht passiert. 8 Monate sind jetzt seit meinem Abschluss vergangen, egal, ich bin zuversichtlich). Mein erster Uni-Abschluss war etwas exotisch/nichtssagend. Jetzt darf ich mich nicht nur MBA, sondern auch Vertriebsingenieur nennen. Voraussetzung dafür war ein naturwissenschaftliches Erststudium.

    In Deutschland hat der Titel Ingenieur bekanntlich einen sehr hohen Stellenwert, d.h. der neue Abschluss gibt mir mehr berufliche Sicherheit.

    Für wen ist dieses Studium zu empfehlen und wem würden Sie abraten?

    Der MBA ist zu empfehlen, wenn die entsprechenden Voraussetzungen gegeben sind: private Situation, ein starker Willen/große Selbstmotivation, ca. 10.000 Euro, die man investieren möchte. 

  • Andreas, MBA Sales and Service Engineering an der HS Furtwangen

    Darum habe ich mich für ein MBA Studium entschieden:

    "Den MBA in Sales & Service Engineering habe ich berufsbegleitend absolviert, um zum einen meinen Horizont zu erweitern, den Wissensdurst zu stillen und anhand einen Austausch mit anderen berufserfahrenen Studenten zu bekommen. Über unterschiedliche Themen im Bereich Vertriebsingenieurwesen, Management und Marketing haben wir in Kleingruppen viele neue Themen besprochen und erlernt. Anhand von Fallspielen aus unterschiedlichen Branchen wurden Business Pläne aufgestellt oder Managementaufgaben simuliert.

    Zusätzlich konnte ich im Rahmen meines MBA Studiums technische Vorlesungen nach Wahl besuchen, um meine technischen Grundkenntnisse zu erweitern."

    Der MBA hat sich für mich gelohnt / nicht gelohnt, weil...

    "Ob sich der MBA gelohnt hat... nun ja, es ist immer eine Frage, wie man das bewerten kann. Allerdings hat sich mein Horizont auf jeden Fall erweitert, ich habe neue Kontakte knüpfen können und durch die zusätzlichen Vorlesungen meine technischen Fähigkeiten ausbauen können... Ein reiner MBA, welcher nur auf Netzwerken, z.B. Kontakte in China etc., aufbaut, ist für mich und auch aus meiner Sicht nicht sinnvoll. Hier erkauft man sich eher ein Netzwerk und einen Titel."

Viele weitere Erfahrungsberichte lesen

Entwicklung nach dem Studienabschluss

Vertriebsexperten standen schon immer auf der Gewinnerseite des Jobmarkts. Wer einer Firma dabei hilft, mehr Umsatz und Gewinn zu erzielen, wird bestens entlohnt und kann schnell Karriere machen, die bis ins Top-Management führt.

Beispiele:

  • Rainulf Diepold, Vorstand Vertrieb und Marketing bei der Krones AG (rund 13.000 Mitarbeiter, rund 3 Mrd. Euro Umsatz) hat seine Karriere als Vertriebsingenieur gestartet.
  • Karlheinz Kaske, bis 1992 Vorsitzender des Vorstands der Siemens AG, begann als Vertriebsingenieur auf dem Gebiet der Energietechnik.
  • Bernd Paulini, Mitglied im Group Executive Committee der Kromi Logistik AG (rund 140 Mitarbeiter, rund 60 Mio. Euro Umsatz) begann nach dem Studium als Vertriebsingenieur.
  • Robert Tittl, Vorstand der Nucletron AG (rund 40 Mitarbeiter, rund 14 Mio. Euro Umsatz) ist Vertriebsingenieur.

Diese Liste lässt sich noch beliebig ergänzen, aber sie zeigt: Von großen Konzernen über Mittelständler bis zu kleineren Unternehmen sind Vertriebsingenieure gefragte Führungskräfte.

Die Sinnhaftigkeit eines MBA, um sich für diese Führungspositionen zu qualifizieren, bestätigen auch Experten, wie z.B. Verkaufstrainer Michael G. bei Xing „Der MBA ist eine perfekte Ausbildung um im Verkauf die Zusammenhänge, Abläufe, usw. noch besser zu verstehen und vor allem nützen zu können. Ich kann nur jeden empfehlen sich weiter zu bilden und in sich zu investieren.“

Auch Psychologin Monika Becker sagt: „Grundsätzlich kann ein MBA Programm auch für Vertriebsmitarbeiter sinnvoll sein. Das gilt umso mehr, wenn die erste Ausbildung im technischen Bereich liegt. Dann kann das MBA Programm helfen, noch mehr Wissen über kaufmännische Themen wie Unternehmensstrategie zu erlangen. Ein MBA ist für Vertriebsmitarbeiter aber erst dann sinnvoll, wenn diese sich ein paar Jahre mit erfolgreichen Zahlen bewiesen haben und sich für den nächsten Schritt in Richtung Management vorbereiten wollen.“

Prof. Dr. Toemmler-Stolze, Professor an der Hochschule Niederrhein und verantwortlich für den MBA Sales Management, schreibt ebenfalls bei Xing: „Ich bin immer wieder gefragt worden, was der MBA einem Vertriebsingenieur bringt. Mit drei Punkten will ich dies gerne beantworten:

  1. Die Wertigkeit seines Qualifikationsprofils steigt um mindestens 10.000 Euro bezogen auf ein Jahresgehalt (sofort spürbar bei einem Stellenwechsel!)
  2. Der Vertriebsprozess verbessert sich eindeutig hinsichtlich Qualität der Beratung und Zeit durch technologische und psychologische Kompetenz und durch gutes Zeitmanagement (gute Beratung schafft Kundenbindung und schnellere Abschlüsse bedeuten auch automatisch mehr Provisionen!)
  3. Die Perspektive seiner beruflichen Entwicklung erweitert sich und geht in Richtung Personalverantwortung und Vertriebsleitung (d.h., bessere Marktperformance und damit besserer Verdienst)“

Apropos Gehaltsentwicklung

Eine Gehaltsentwicklung nach dem Vertriebsingenieur MBA anzugeben, ist unmöglich, weil so detaillierte Zahlen nicht erhoben werden.

Man kann sich aber der Gehaltsentwicklung etwas annähern: Die Absolventen des MBAs der Gisma Business School geben als Gehalt im Fünfjahresmittel rund 61.000 Euro an. Die Handelshochschule Leipzig (HHL) nennt einen Durchschnitt von 59.600 Euro in den vergangenen drei Jahren. "Etwa 40 % jener, deren Jahreseinkommen unter 50.000 Euro lag, wachsen durch einen MBA in die Kategorie 50.000 - 75.000 Euro hinein", sagt Christian Martzel, Studienberater aus Köln.

Mehr Output als nur mehr Gehalt

Vor allem sollte man den Titel "Master of Business Administration" nicht nur als Argument zur Gehaltsverhandlung sehen. Viele Absolventen, auch diejenigen, bei denen der erhoffte Gehaltssprung ausgeblieben ist, geben in ihren Erfahrungsberichten an, persönlich profitiert zu haben.

Auszüge:

Patrick, Projektleiter bei einem deutschen Konzern
MBA Sales & Service Engineering an der FH Furtwangen

Der MBA hat sich für mich geloht, weil ich während des Studiums Berufserfahrung sammeln konnte (ich habe parallel zum Studium gearbeitet), mein Wissen und meine Erfahrungen erweitern konnte (durch eine weitere Hochschule) und ich nach dem MBA das Trainee-Programm bei der Firma [XY] beginnen konnte (meiner Meinung nach wäre dies zu dieser Zeit ohne Diplom-Abschluss eher schwierig geworden).

Christian, Sales Manager bei einem Medizintechnikunternehmen
MBA Sales & Service Engineering an der Hochschule Furtwangen

Der MBA hat sich gelohnt da man anders als beim Bachelorstudium ein reales Bild der Abläufe, des Drucks/Stresslevel, Informtationsfindung, etc. bekommt. Nach dem Studium ist das Gehalt im Vergleich zum Bachelor weitaus höher.

Käte, Consultant bei einer IT-Beratung
MBA Vertriebsingenieurwesen an der FH Kaiserslautern

Das Sales MBA Studium in Zweibrücken hat eine starke BWL-Ausrichtung. Die meisten Teilnehmer kamen aus dem Ingenieurwesen und konnten damit in Führungspositionen aufsteigen, da sie ihr BWL-Wissen nachweisen konnten.

Nicolas, Sales Direktor eines Energieunternehmens
MBA International Marketing an der ESADE

Ob sich der MBA gelohnt hat? Ein Frage, die man evtl nicht direkt beantworten kann. Wäre ich jetzt da, wo ich bin, ohne den MBA? Die Antwort darauf kann niemand geben. Als ich 2008 anfing mit dem MBA, fing auch die Krise an, und erreichte gerade 2009 Ihren Höhepunkt, als ich mich auf die Jobsuche machte. Ich musste mich damals auf das besinnen, was ich sehr gut konnte → Sales. Glücklicherweise konnte ich in die Industrie wechseln, in die ich wollte, und mir wurde auch von meinem damaligen Chef gesagt, dass er meinen CV wegen des MBA ausgewählt hatte.

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